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MUSIKBUSINESS · LESEZEIT 9 MIN

EPK erstellen: Was ins Electronic Press Kit einer Band gehört

Von Timo Hering, Schlagzeuger, Artist Manager und Backliner · 9. Oktober 2026

Ein Booker bekommt an einem normalen Tag mehr Band-Mails, als er lesen kann. Ob eure geöffnet wird, entscheidet der Betreff. Ob daraus eine Show wird, entscheidet oft das, was hinter dem Link steckt: euer EPK. Als Manager verschicke ich EPKs und bekomme selbst welche, und die guten haben eines gemeinsam: In einer Minute findet man Musik, Live-Video, Zahlen und einen Kontakt. Hier erfährst du, was ein EPK ist, was rein gehört und wie du es so baust, dass es gelesen wird.

Laptop mit Konzertfoto, Kamera und Backstage-Pass auf einem Tisch hinter der Bühne

Was ein EPK ist

EPK steht für Electronic Press Kit, auf Deutsch digitale Pressemappe. Es bündelt alles, was jemand braucht, um über euch zu entscheiden oder zu berichten: wer ihr seid, wie ihr klingt, wie ihr live ausseht, was ihr erreicht habt und wie man euch erreicht. Früher war das eine Mappe mit CD, Foto und Pressetext. Heute ist es ein PDF, eine Seite auf eurer Website oder beides.

Gebraucht wird es überall, wo ihr euch bewerbt: bei Clubs und Veranstaltern, für Festival-Slots und Support-Shows, bei Presse, Blogs und Radio, bei Labels, Verlagen und Agenturen. Ein EPK ist kein Lebenslauf und keine Fanseite. Es ist ein Arbeitsdokument für Leute, die wenig Zeit haben.

Wer es liest und was er sucht

Nicht jeder sucht dasselbe. Deshalb ist ein gutes EPK klar gegliedert: Jeder springt zu seinem Teil.

WerSchaut zuerst aufWill wissen
Booker, ClubLive-Video, Genre, Zahlen aus der RegionKommen Leute, und passt ihr ins Programm?
FestivalLive-Video, bisherige Shows, FotosFunktioniert ihr auf einer großen Bühne vor fremdem Publikum?
Presse, RadioKurzbio, aktuelle Veröffentlichung, PressefotosGibt es eine Geschichte, und kann ich sie ohne Rückfrage bringen?
Label, AgenturMusik, Entwicklung der Zahlen, euer TeamLohnt sich ein Gespräch?
TechnikTech Rider, Stage Plot, BesetzungWas kommt am Showtag auf mich zu?

Daraus folgt die wichtigste Regel: Das Wichtigste steht oben. Wer nach der ersten Seite aufhört, muss trotzdem wissen, wie ihr klingt und wen er anrufen kann.

Die 8 Bausteine

EPKein Link · eine Datei KURZBIO50 bis 80 WörterMUSIK3 Songs, bester zuerstLIVE-VIDEOam Stück, guter TonFOTOShoch + quer, DownloadZAHLENehrlich, mit DatumPRESSE2 bis 4 Zitate + QuelleLIVEgespielt + kommendKONTAKTBooking, Presse, Technik
Die acht Bausteine eines EPK. Gelb markiert ist, worauf Booker meist zuerst schauen.
  1. Kurzbio: wer ihr seid, woher ihr kommt, welches Genre, was gerade ansteht. Dazu ein Satz, der euch beschreibt.
  2. Musik: zwei bis drei Songs, der stärkste zuerst. Als Streaming-Link, nicht als Anhang.
  3. Live-Video: ein ganzer Song am Stück, mit ordentlichem Ton. Für Booker ist das oft der wichtigste Teil.
  4. Fotos: Pressefotos in hoher Auflösung, Hoch- und Querformat, hinter einem Download-Link und mit Fotocredit. Dazu euer Logo.
  5. Zahlen und Highlights: ehrliche Zahlen mit Datum, dazu die drei bis sechs wichtigsten Stationen.
  6. Pressestimmen: zwei bis vier kurze Zitate mit Quelle.
  7. Live: kommende Termine, bisherige Shows und ein Link zu Tech Rider und Stage Plot.
  8. Kontakt: Booking, Presse und Technik, jeweils mit Name, Mail und Telefonnummer.

Wie lang das wird, hängt davon ab, wo ihr steht. Eine Band am Anfang kommt mit drei bis vier Seiten aus, eine Band mit Geschichte braucht selten mehr als acht. Was ihr nicht habt, lasst ihr weg. Eine leere Seite „Pressestimmen“ schadet mehr als gar keine.

Die Bio in drei Längen

Die Bio wird am häufigsten kopiert: in Ankündigungen, Programmhefte und Artikel. Deshalb braucht ihr sie in drei Längen, in der dritten Person und so geschrieben, dass man sie ohne Änderung übernehmen kann.

  1. Ein Satz: Genre, Herkunft, was euch ausmacht. Beispiel: „Alternative Rock aus Köln: dunkle Synths, große Refrains, laute Gitarren.“
  2. Kurzbio, etwa 50 bis 80 Wörter: wer, woher, was bisher, was als Nächstes. Das ist der Text, den Veranstalter in ihre Ankündigung setzen.
  3. Lange Bio, 150 bis 250 Wörter: die Geschichte dahinter, für Presse und alle, die mehr wissen wollen.

So sieht eine Kurzbio aus, hier für die erfundene Band The Midnight Static:

The Midnight Static spielen Alternative Rock mit dunklen Synths und großen Refrains. Die sechsköpfige Band aus Köln hat seit 2019 über 140 Shows gespielt und zwei EPs veröffentlicht. 2027 erscheint die Single „Neon Ghosts“, im April folgt eine Clubtour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Drei Dinge gehören in keine Bio: Superlative, die niemand prüfen kann („die spannendste Band der Stadt“), die komplette Bandgeschichte seit dem ersten Proberaum und Insiderwitze. Schreibt, was passiert ist, mit Jahreszahlen.

Musik, Video und Fotos

Musik: Zwei bis drei Songs reichen. Der stärkste steht oben, nicht der neueste. Verlinkt auf Spotify, Apple Music, YouTube oder Bandcamp und hängt keine MP3 an die Mail: Große Anhänge landen im Spam oder werden gar nicht erst geladen. Für unveröffentlichte Songs nehmt ihr einen privaten Link, der sich ohne Anmeldung und ohne Download anhören lässt.

Video: Ein Booker will sehen, was auf der Bühne passiert. Deshalb schlägt ein Live-Video jedes Musikvideo: ein ganzer Song am Stück, auf dem man Band und Publikum sieht, mit ordentlichem Ton. Das Handyvideo aus der ersten Reihe mit übersteuertem Ton lasst ihr besser weg. Wenn ihr noch kein gutes Live-Video habt, ist das die sinnvollste Investition vor der nächsten Bewerbungsrunde.

Fotos:

  • Zwei bis vier Pressefotos, mindestens eins im Querformat und eins im Hochformat.
  • Hohe Auflösung hinter einem Download-Link (für Druck rechnet man mit 300 dpi), im EPK selbst nur kleine Vorschaubilder.
  • Fotocredit dazuschreiben und vorher klären, dass die Fotos honorarfrei abgedruckt werden dürfen.
  • Ein Foto mit ruhigem Hintergrund oder freier Fläche: Veranstalter setzen gern Datum und Logo darauf.
  • Euer Logo als PNG mit transparentem Hintergrund, in hell und dunkel.

Zahlen und Pressestimmen

Zahlen sind kein Pflichtteil, aber sie beantworten die Frage, die jeder Booker hat: Kommen Leute? Am meisten sagen deshalb verkaufte Tickets. „180 Tickets in Köln, Januar 2026“ ist mehr wert als eine fünfstellige Follower-Zahl. Danach kommen monatliche Hörer, Streams, Newsletter und Social Media.

  • Immer mit Stand („Stand: Oktober 2026“) und alle paar Monate aktualisieren.
  • Nur Zahlen, die stimmen. Gekaufte Follower und geschönte Zahlen fallen auf, spätestens beim Blick auf Likes oder Ticketverkäufe.
  • Kleine Zahlen sind kein Problem, wenn sie konkret sind. „12 Shows 2026, davon 4 ausverkauft (80 bis 150 Kapazität)“ ist eine gute Zeile.

Bei Pressestimmen gilt: kurz und mit Quelle. Zwei bis vier Zitate von je ein bis zwei Sätzen reichen. Wenn es noch keine Presse gibt, lasst den Teil weg oder nehmt ein Zitat von einem Veranstalter, bei dem ihr gespielt habt, mit dessen Einverständnis.

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PDF, Website oder Link?

FormVorteilNachteil
PDFSieht überall gleich aus, lässt sich weiterleiten und ablegenVeraltet schnell, Videos gehen nur als Link
Eigene WebsiteImmer aktuell, Musik und Video laufen direkt auf der SeiteBraucht eine Website, die ihr pflegt
Ordner-LinkSchnell gemacht (Drive, Dropbox)Wirkt unfertig, Links laufen ab oder brauchen eine Freigabe

Meine Empfehlung: beides. Eine EPK-Seite auf der eigenen Website, die immer aktuell ist, und derselbe Inhalt als PDF für alle, die Dateien ablegen. In die Mail kommt der Link.

  • Das PDF unter 10 MB halten, besser unter 5.
  • Dateiname mit Bandname und Jahr: Bandname_EPK_2026.pdf.
  • Links im PDF anklickbar machen und nach dem Export jeden einmal testen.
  • Kein Passwort, keine Anmeldung, kein „Zugriff anfordern“.

Das One-Sheet

Ein One-Sheet ist die Kurzfassung des EPK auf einer Seite: ein Foto, die Kurzbio, die aktuelle Veröffentlichung, drei bis vier Zahlen, die nächsten Termine und der Kontakt. Es ist das Blatt, das ein Booker intern weiterleitet oder das im Radio neben dem Mikrofon liegt. Wenn ihr nur Zeit für eine Sache habt, fangt mit dem One-Sheet an und baut das EPK später darum herum.

EPK verschicken

Das beste EPK bringt nichts, wenn die Mail nicht geöffnet wird.

  1. Betreff mit Inhalt: Bandname, Genre, Anlass, Zeitraum. Zum Beispiel: „The Midnight Static (Alternative Rock, Köln): Anfrage Support, April 2027“.
  2. Kurz bleiben: drei bis fünf Sätze. Wer ihr seid, was ihr wollt und warum es zu diesem Club oder Festival passt.
  3. Ein Link statt Anhang-Stapel: der Link zum EPK und ein Link zum Live-Video, direkt in der Mail.
  4. Eine klare Frage am Ende: ein Datum, ein Zeitraum oder ein konkreter Slot.
  5. Nachhaken: einmal nach 10 bis 14 Tagen, als Antwort im selben Verlauf, später noch eine letzte Nachricht. Drei Mails sind die Grenze.

Sobald ein Veranstalter Interesse hat, kommen die technischen Fragen. Dann sollten Tech Rider und Stage Plot bereitliegen. Wie der Rider aussieht, steht in Tech Rider erstellen, den Bühnenplan baust du kostenlos im Stage Plot Generator, und was ins Catering-Blatt gehört, steht im Artikel zum Hospitality Rider.

7 typische Fehler

  1. Kein Kontakt oder nur ein Formular: Name, Mail und Telefonnummer gehören auf die erste und auf die letzte Seite.
  2. Zu lang: Zwölf Seiten Bandgeschichte liest niemand. Kürzen, bis nur noch bleibt, was eine Entscheidung leichter macht.
  3. Veraltet: Tourdaten vom letzten Jahr und ein Sänger, der nicht mehr dabei ist. Datum aufs EPK schreiben und alle drei Monate prüfen.
  4. Tote Links: nach jedem Export alle Links anklicken, auch auf dem Handy.
  5. Riesige Anhänge: 40 MB Fotos per Mail. Fotos gehören hinter einen Download-Link.
  6. Kein Live-Video: Ohne kann ein Booker nur raten, wie ihr auf der Bühne wirkt.
  7. Superlative statt Fakten: „Einzigartiger Sound“ sagt nichts. Genre, Vergleichsbands und Zahlen sagen etwas.

Schneller mit Vorlage

Die Riderhouse EPK-Vorlage ist eine Canva-Vorlage mit neun Seiten: Cover, Bio mit Kurzbio, Musik, Zahlen und Highlights, Pressestimmen, Live, Fotos und Downloads, Kontakt und ein One-Sheet. Dazu gibt es ein ausgefülltes Beispiel, alles auf Deutsch und Englisch. Das kostenlose Canva-Konto reicht.

Wer gleich die Mails dazu will: Im Riderhouse Booking Kit stecken die EPK-Vorlage, neun Booking-Mails von der Show-Anfrage bis zum Nachhaken und ein Tracker, der zeigt, wem du wann wieder schreiben solltest.

EPK Vorlage für Bands und Musiker von Riderhouse
Die Riderhouse EPK-Vorlage: neun Seiten in Canva mit ausgefülltem Beispiel und One-Sheet, auf Deutsch und Englisch.

Häufige Fragen zum EPK

Was ist ein EPK?

Ein EPK (Electronic Press Kit) ist die digitale Pressemappe einer Band oder eines Künstlers. Es bündelt Bio, Musik, Video, Fotos, Zahlen, Pressestimmen, Termine und Kontakt, damit Booker, Festivals, Presse und Labels schnell entscheiden können.

Was gehört in ein EPK?

Acht Bausteine: Kurzbio, Musik, Live-Video, Pressefotos, Zahlen und Highlights, Pressestimmen, Live-Termine mit Technik-Infos und Kontakt. Was ihr noch nicht habt, lasst ihr weg.

Wie lang sollte ein EPK sein?

So kurz wie möglich. Für Bands am Anfang reichen drei bis vier Seiten, auch mit mehr Geschichte braucht ihr selten mehr als acht. Dazu kommt ein One-Sheet, das alles Wichtige auf einer Seite zusammenfasst.

EPK als PDF oder als Website?

Am besten beides: eine EPK-Seite auf der eigenen Website, die immer aktuell ist, und derselbe Inhalt als PDF unter 10 MB zum Weiterleiten und Ablegen. In die Mail kommt der Link, kein großer Anhang.

Braucht eine neue Band ohne Presse und große Zahlen ein EPK?

Ja, nur ein kürzeres. Kurzbio, zwei Songs, ein Live-Video, zwei gute Fotos und ein Kontakt reichen für die ersten Anfragen. Pressestimmen und Zahlen kommen dazu, sobald es welche gibt.

Was ist der Unterschied zwischen EPK und One-Sheet?

Das EPK ist die komplette Pressemappe mit mehreren Seiten. Das One-Sheet ist die Kurzfassung auf einer Seite mit Foto, Kurzbio, aktueller Veröffentlichung, den wichtigsten Zahlen, Terminen und Kontakt.

Brauchen DJs ein EPK?

Ja. Statt Besetzung und Live-Video stehen dort ein Mix oder ein Live-Set, Residencies und die Clubs und Festivals, in denen du gespielt hast, dazu der technische Bedarf wie Player und Mixer.

EPK an einem Nachmittag

Canva-Vorlage mit neun Seiten, ausgefülltem Beispiel und One-Sheet. Deutsch und Englisch.

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