Split Sheet: Wer hat was geschrieben? So haltet ihr die Anteile fest
Der Song ist fertig, alle sind euphorisch, und niemand will jetzt über Prozente reden. Genau deshalb gibt es später Streit: Wenn der Song läuft, erinnert sich jeder anders daran, wer was geschrieben hat. Ein Split Sheet hält die Anteile in fünf Minuten fest, am besten noch am Tag der Session. Hier erfährst du, was ein Split Sheet ist, was rein gehört und wie ihr fair aufteilt.

Was ein Split Sheet ist
Ein Split Sheet ist ein kurzes Dokument, in dem alle Beteiligten festhalten, wem welcher Anteil an einem Song gehört. Gemeint ist die Komposition, also Musik und Text. Jede Person steht mit Name, Rolle und Prozent drin, am Ende unterschreiben alle. Ein Blatt pro Song, mehr ist es nicht.
Gebraucht wird es an drei Stellen: bei der Anmeldung des Songs bei der Verwertungsgesellschaft (GEMA, AKM, SUISA), beim Verlag und als Beleg, falls es Streit gibt. Melden zwei Urheber denselben Song mit unterschiedlichen Anteilen an, entsteht ein Konflikt, und bis der geklärt ist, kann sich die Auszahlung verzögern.
Song und Aufnahme: zwei verschiedene Rechte
An jedem veröffentlichten Song hängen zwei verschiedene Rechte. Wer das einmal verstanden hat, füllt das Split Sheet richtig aus.
Die Komposition (Musik und Text) gehört den Urhebern. Darum kümmern sich Verwertungsgesellschaften wie die GEMA und Musikverlage. Die Aufnahme (Master) gehört meist dem, der sie bezahlt und organisiert hat, oft dem Label oder dem Artist selbst.
Das Split Sheet regelt die Komposition. Wer nur auf der Aufnahme spielt oder mischt, ist damit nicht automatisch Urheber. Umgekehrt hat ein Songwriter nicht automatisch Anteile am Master. Für die Aufnahme gibt es eigene Verträge, zum Beispiel einen Produzenten- oder Labelvertrag. Wenn ihr alles selbst macht und keinen solchen Vertrag habt, könnt ihr die Aufteilung des Masters im Split Sheet mit festhalten.
Die 6 Abschnitte, die rein gehören
- Songdaten: finaler Titel, Arbeitstitel, Datum und Ort der Session, Dauer, geplanter Release. Den Arbeitstitel nicht vergessen, sonst weiß in einem Jahr niemand mehr, dass „Regen-Idee 3“ die Single war.
- Urheber und Anteile: pro Person der bürgerliche Name, die Rolle (Musik, Text oder beides), der Anteil in Prozent, Verwertungsgesellschaft, IPI-Nummer und Verlag. Die Summe muss 100 % ergeben.
- Kontakte: E-Mail und Telefon aller Urheber. Klingt banal, hilft aber enorm, wenn ein Verlag oder eine Anfrage für Film oder Werbung Jahre später alle erreichen muss.
- Aufnahme / Master (optional): nur, wenn ihr auch die Rechte an der Aufnahme aufteilt und es dafür keinen eigenen Vertrag gibt.
- Vereinbarungen: Die Anteile gelten für alle Versionen, Edits und Remixes. Jeder meldet den Song mit genau diesen Anteilen an. Änderungen gelten nur schriftlich und mit Zustimmung aller. Samples werden separat geklärt.
- Unterschriften: alle Beteiligten, mit Ort und Datum.
Drei Abkürzungen tauchen dabei immer wieder auf. Die IPI-Nummer ist die internationale Kennnummer für Urheber und Verlage. Du bekommst sie mit der Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft und findest sie im Mitgliederbereich. Der ISWC ist die Kennung der Komposition und wird nach der Anmeldung vergeben. Der ISRC ist die Kennung einer einzelnen Aufnahme und kommt vom Label oder Vertrieb. ISWC und ISRC kannst du nachtragen.
Beispiel: ein Song, drei Urheber
Drei Leute schreiben in einer Session einen Song. Eine Person bringt Text und Melodie mit, zwei bauen die Musik, eine davon produziert auch die Aufnahme. So sieht der wichtigste Abschnitt aus:
| Name | Rolle | Anteil | Verw.-Ges. | Verlag |
|---|---|---|---|---|
| Chris Demo | Text, Melodie | 40 % | GEMA | selbstverlegt |
| Jo Beispiel | Musik | 30 % | GEMA | Beispiel Musikverlag |
| Robin Probe | Musik, Produktion | 30 % | AKM | – |
| Summe | 100 % |
Alle Namen sind erfunden. Robin produziert im Beispiel auch die Aufnahme. Dafür bekommt er keinen größeren Anteil am Song, sondern 20 % am Master statt eines Honorars. Das steht getrennt im optionalen Abschnitt zur Aufnahme.
Wie teilt man fair auf?
Es gibt keine Regel, die für alle gilt. Entscheidend ist, dass alle zustimmen. In der Praxis sieht man drei Modelle:
- Gleiche Anteile für alle im Raum: Wer bei der Session mitgeschrieben hat, bekommt gleich viel. Schnell, ohne Erbsenzählen, und in vielen Writing-Sessions üblich.
- Musik und Text getrennt: klassisch je die Hälfte für Musik und Text, innerhalb der Hälften wird geteilt.
- Nach Beitrag: Wer mehr beigetragen hat, bekommt mehr. Ehrlich, aber anfällig für Diskussionen. Funktioniert nur, wenn ihr direkt nach der Session darüber redet.
Dazu kommen ein paar Sonderfälle:
- Produzenten und Beats: Wer den Beat oder das instrumentale Grundgerüst baut, schreibt an der Musik mit und bekommt üblicherweise einen Anteil an der Komposition. Wer aufnimmt und mischt, bekommt dafür meist ein Honorar oder Anteile am Master.
- Session-Musiker: spielen in der Regel gegen Honorar. Wer einen prägenden Part erfindet, kann das anders sehen. Deshalb vorher klären.
- Bands: Viele Bands teilen alles gleich, egal wer die Idee hatte. Das hält den Frieden. Andere teilen pro Song. Beides funktioniert, solange es einmal ausgesprochen und aufgeschrieben ist.
- Samples: Wenn ihr ein fremdes Werk sampelt oder zitiert, wollen dessen Rechteinhaber einen Anteil. Der geht von euren 100 % ab. Deshalb gehört ins Split Sheet, ob Samples im Song sind.
Ohne Absprache entscheidet am Ende das Gesetz, und das je nach Land anders. In den USA gelten Miturheber ohne Vereinbarung grundsätzlich als zu gleichen Teilen beteiligt. In Deutschland kommt es auf den Umfang der Mitwirkung an, und den muss man im Streit erst einmal belegen. Ein unterschriebenes Blatt erspart euch diese Diskussion.
Wann ausfüllen und was danach passiert
Am Tag der Session. Dann erinnert sich jeder noch, wer was beigetragen hat, und es geht noch um nichts. Wenn die Stimmung es nicht hergibt, dann spätestens, bevor der Song angemeldet oder veröffentlicht wird.
- Ausfüllen: am Ende der Session, ausgedruckt oder am Laptop.
- Unterschreiben: alle Beteiligten. War jemand remote dabei, PDF schicken und per Mail bestätigen lassen.
- Verteilen: Foto oder PDF sofort an alle. Dann hat jeder eine Kopie, auch wenn das Original verloren geht.
- Anmelden: Jeder meldet den Song bei seiner Verwertungsgesellschaft oder seinem Verlag mit genau diesen Anteilen an.
- Aktuell halten: Kommt ein Part, ein weiterer Writer oder ein Sample dazu, gibt es ein neues Split Sheet mit neuem Datum, wieder von allen unterschrieben.
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Die meisten Stage Plots haben mindestens drei davon. Check deinen in fünf Minuten.
6 typische Fehler
- Zu spät: Wochen später verhandelt jeder aus der Erinnerung, und meistens läuft der Song dann schon.
- Die Summe ergibt nicht 100 %: passiert schneller als gedacht, wenn nachträglich jemand dazukommt.
- Nur Künstlernamen: Verwertungsgesellschaften arbeiten mit bürgerlichem Namen und IPI-Nummer. Der Künstlername gehört zusätzlich dazu.
- Song und Master vermischt: „Jeder kriegt ein Viertel“ sagt nicht, wovon. Komposition und Aufnahme getrennt aufschreiben.
- Nicht alle haben unterschrieben: Gerade die Person, die „nur kurz dabei war“, meldet sich später.
- Änderungen nicht nachgezogen: Der Song wird umgeschrieben, das alte Blatt bleibt. Neue Version, neues Datum.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Ein Split Sheet dokumentiert eure Absprache und ersetzt keinen Verlags-, Label- oder Produzentenvertrag.
Schneller mit Vorlage
Das Riderhouse Split Sheet gibt es als bearbeitbare Vorlage für Word und Google Docs und als PDF zum Ausdrucken fürs Studio: 6 Abschnitte, ausgefülltes Beispiel, optionaler Abschnitt für die Aufnahme, auf Deutsch und Englisch für internationale Co-Writes.
Wenn der Song fertig ist und auf die Bühne soll: Die Setlist baust du kostenlos im Setlist-Tool, den Bühnenplan im Stage Plot Generator, und wie der Rider dazu aussieht, steht in Tech Rider erstellen. Für die Booking-Anfrage brauchst du dann ein EPK: EPK erstellen.

Häufige Fragen zum Split Sheet
Was ist ein Split Sheet?
Ein Split Sheet ist ein kurzes Dokument, in dem alle Urheber eines Songs festhalten, wem welcher Anteil an der Komposition (Musik und Text) gehört. Jede Person steht mit Name, Rolle, Prozent, Verwertungsgesellschaft und IPI-Nummer drin, am Ende unterschreiben alle.
Ist ein Split Sheet rechtlich bindend?
Es ist eine schriftliche Vereinbarung, die alle Beteiligten unterschrieben haben, und damit ein starker Beleg für eure Absprache. Es ersetzt aber keinen Verlags-, Label- oder Produzentenvertrag. Bei größeren Deals oder im Streitfall hilft ein Anwalt für Musikrecht.
Wann sollte man ein Split Sheet ausfüllen?
Am besten am Tag der Session, solange sich alle erinnern, wer was beigetragen hat. Spätestens aber, bevor der Song bei der Verwertungsgesellschaft angemeldet oder veröffentlicht wird.
Wie teilt man Songwriting-Anteile auf?
Es gibt keine feste Regel. Üblich sind gleiche Anteile für alle, die mitgeschrieben haben, eine Trennung in Musik und Text oder eine Aufteilung nach Beitrag. Wichtig ist nur, dass die Summe 100 % ergibt und alle zustimmen.
Bekommt der Produzent einen Anteil am Song?
Wenn er an Musik oder Text mitschreibt, zum Beispiel den Beat oder das instrumentale Grundgerüst baut, üblicherweise ja. Wer nur aufnimmt und mischt, bekommt dafür meist ein Honorar oder Anteile an der Aufnahme (Master), keinen Anteil an der Komposition.
Braucht man ein Split Sheet für die GEMA?
Die GEMA verlangt kein Split Sheet. Bei der Werkanmeldung gibst du aber alle Beteiligten mit ihren Rollen an, und die Angaben aller Urheber müssen zusammenpassen. Das Split Sheet sorgt dafür, dass alle dasselbe anmelden. Die Details zur Verteilung regelt der Verteilungsplan der GEMA.
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